Der Kaufpreis ist oft der größte Stolperstein bei der Unternehmensnachfolge. Die wenigsten Nachfolger können mehrere Hunderttausend oder gar Millionen Euro aus eigener Tasche zahlen. Die gute Nachricht: Es gibt heute deutlich mehr Finanzierungsbausteine als noch vor einigen Jahren. Entscheidend ist die richtige Mischung.
- Bankdarlehen – aber bitte gut vorbereitet
Die klassische Finanzierung läuft über die Hausbank. Nach den Zinssteigerungen der letzten Jahre liegen Unternehmenskredite zwar höher als früher, sind aber weiterhin gut darstellbar – wenn das Konzept überzeugt.
Was Banken heute sehen wollen:
- belastbare Ertrags- und Liquiditätsplanung
- klare Strategie für die Weiterentwicklung
- ausreichendes Eigenkapital
- realistische Kaufpreisvorstellung
Unser Praxistipp: Binden Sie die Bank frühzeitig ein. Wer erst mit unterschriebenem Kaufvertrag zur Bank geht, hat deutlich schlechtere Karten.
- Fördermittel – unbedingt prüfen!
Viele Nachfolger lassen Geld auf dem Tisch liegen, weil sie Förderprogramme nicht nutzen. Dabei gibt es attraktive Instrumente, vor allem über die KfW und die regionalen Förderbanken.
Besonders interessant ist aktuell der ERP-Förderkredit „Gründung und Nachfolge“ (Nr. 077):
- bis zu 500.000 € Kredit
- 100 % Garantie über die Bürgschaftsbank
- keine eigenen Sicherheiten notwendig
- tilgungsfreie Anlaufjahre
Gerade wenn Sicherheiten fehlen, kann dieses Instrument den entscheidenden Unterschied machen.
Wichtig: Förderanträge müssen vor Vertragsabschluss gestellt werden. Nachträglich ist eine Förderung ausgeschlossen.
- Verkäuferdarlehen – Vertrauensbeweis mit Hebelwirkung
Ein starkes Instrument in der Praxis ist das Verkäuferdarlehen. Dabei wird ein Teil des Kaufpreises (typisch 10–20 %) nicht sofort gezahlt, sondern als Darlehen vom Verkäufer stehen gelassen.
Vorteile für den Käufer:
- geringerer Kapitalbedarf
- bessere Eigenkapitalwirkung gegenüber der Bank
- Signal: „Der Verkäufer glaubt weiter an sein Unternehmen“
Vorteile für den Verkäufer:
- höhere Abschlusswahrscheinlichkeit
- laufende Zinserträge
- größerer Käuferkreis
Oft wird dieses Darlehen nachrangig ausgestaltet. Für Banken wirkt es dann eigenkapitalähnlich – ein echter Hebel in der Finanzierung.
- Ratenzahlung oder Leibrente – Sicherheit für den Übergeber
Gerade bei familieninternen Nachfolgen werden Kaufpreise häufig in Raten gezahlt oder als Leibrente ausgestaltet.
Die Leibrente hat einen klaren Vorteil: Sie sichert dem Übergeber lebenslange Einkünfte – auf Wunsch auch für den Ehepartner. Wichtig ist eine Wertsicherungsklausel, damit die Inflation die Kaufkraft nicht schmälert.
Aber Achtung: Die steuerliche Behandlung sollte sauber durchgerechnet werden. Hier entscheidet die Struktur schnell über mehrere Zehntausend Euro Unterschied.
- Earn-out – Kaufpreis abhängig vom Erfolg
Immer häufiger finden sich sogenannte Earn-out-Regelungen. Ein Teil des Kaufpreises wird erst gezahlt, wenn bestimmte Ziele (z. B. Gewinn oder Umsatz) erreicht werden.
Das kann sinnvoll sein, wenn:
- Käufer und Verkäufer unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft haben
- der Käufer Risiken absichern möchte
- der Verkäufer an weiteres Wachstum glaubt
Aber: Earn-outs sind konfliktanfällig. Klare Definitionen, Kontrollrechte und Streitregelungen sind unverzichtbar. Sonst wird aus einer Partnerschaft schnell ein Streitfall.
- Mezzanine-Kapital – flexible Hybridlösung
Zwischen Eigen- und Fremdkapital gibt es eine Zwischenform: Mezzanine-Kapital, etwa über stille Beteiligungen oder Nachrangdarlehen von Beteiligungsgesellschaften.
Vorteile:
- stärkt die Eigenkapitalquote
- keine Stimmrechtsabgabe
- verbessert die Bonität gegenüber Banken
Gerade bei größeren Transaktionen kann das ein entscheidender zusätzlicher Baustein sein.
Die richtige Mischung macht den Unterschied
In der Praxis besteht eine solide Nachfolgefinanzierung heute häufig aus:
- 15–25 % Eigenkapital
- 40–60 % Bank- bzw. Förderdarlehen
- 10–20 % Verkäuferdarlehen
- ergänzt um einen Mezzanine-Baustein
Entscheidend ist nicht nur die Finanzierung des Kaufpreises, sondern auch ausreichend Liquidität für:
- Investitionen
- Anlaufkosten
- private Lebenshaltung
- Steuerzahlungen
Viele Nachfolgen scheitern nicht an der Bank – sondern an zu optimistischen Planungen oder zu hohen Kaufpreisvorstellungen.
Unser Rat an beide Seiten
Für Übergeber:
Lassen Sie sich frühzeitig ein schlüssiges Finanzierungskonzept vorlegen. Wer als Verkäufer flexible Bausteine anbietet, erhöht die Verkaufschancen deutlich – und sichert zugleich die eigene Altersvorsorge.
Für Übernehmer:
Beginnen Sie 12 bis 24 Monate vor der Übergabe mit der Finanzierungsplanung. Eigenkapital aufbauen, Fördermöglichkeiten prüfen, Bankgespräche vorbereiten.
Eine kluge Finanzierungsstruktur ist kein Selbstzweck. Sie entscheidet darüber, ob die Nachfolge nur ein Vertrag auf dem Papier bleibt – oder ein erfolgreicher Neustart wird.
Gern unterstützen wir Sie dabei.
